Warum Wartezeiten ab sofort ein Glücksfall für dich sind

Strömtipp fürs Warten

Es gibt ja nichts, was es nicht gibt, und so stieß ich neulich tatsächlich auf ein ganzes Buch, das sich aus wissenschaftlicher Sicht nur mit dem Warten in Schlangen beschäftigt. Das brachte mich auf die Idee, auch einen Strömtipp fürs Warten zu schreiben – das bietet sich absolut an, wie du gleich sehen wirst.

„Warum geht es in der anderen Schlange immer schneller?“

Auf bento gibt es einen kleinen Artikel darüber mit kurzen Tipps, an welche Schlange du dich am besten anstellen solltest, wenn du es eilig hast. Ist es besser, Männer oder Frauen vor sich zu haben, lieber einen Kunden mit vielen Sachen oder viele Kunden mit wenigen Sachen und ähnliche alltagsrelevante Fragen werden hier geklärt.

Warteschlangen

Das ist ein sehr löblicher Ansatz (und das Buch enthält anscheinend viele interessante weitere Hintergründe und Geschichten zum Schlange stehen), dennoch ist das sicher noch nicht die ganze Antwort.

Natürlich kennt es jede(r): Warten an der Kasse, im Stau, auf eine Person oder einen Termin – das kann wirklich nerven, oder?

Wie bei allen Dingen im Leben liegt es aber zum Glück an uns, wie wir die Situation betrachten. Neben dem unbestritten zunächst ungewollten „Zeitverlust“ können wir ja vielleicht noch einen anderen Aspekt erkennen, der unsere Beurteilung der Situation wandeln kann.

Im konkreten Fall bedarf es nur einer leichten semantischen Überarbeitung und schon haben wir eine völlig neue Lage geschaffen. Ab sofort könnte es heißen:

Ich warte nicht, sondern ich warte mich.

Du hast dir natürlich schon gedacht, dass ich jetzt wieder mit dem Strömen komme, das ja irgendwie jede Situation retten soll. Langsam kennst du mich schon ganz gut ;)

Aber im Ernst:

Wartezeiten sind AUCH geschenkte Zeiten

In den meisten Fällen können wir nichts daran ändern, dass wir warten müssen. Warum sollten wir diese Zeit dann nicht gleich sinnvoll für uns nutzen statt uns zu ärgern, dass wir mal wieder in der falschen Schlange stehen?

Es gibt viele Möglichkeiten, das Warten so angenehm wie möglich zu überbrücken. Ich möchte dich einfach darauf aufmerksam machen, dass das Strömen dabei  nicht die schlechteste Alternative darstellen muss.

Strömen in der Öffentlichkeit ist allerdings so eine Sache

Man wird ob des Strömens sowieso gerne schon mal schräg angeschaut – also wenn man nur davon erzählt… Wenn man nun an der Kinokasse, im Wartezimmer oder an einem anderen öffentlichen Ort in der Gegenwart von Menschen anfängt, sich das Ermüdungskrönchen* zu halten oder andere Verrenkungen zum Strömen zu vollziehen, könnte das deine soziale Akzeptanz schlagartig verringern.

Es kann natürlich auch der Beginn von interessanten Unterhaltungen werden – sagen wir mal so: Die Aufmerksamkeit der anderen wäre dir gewiss und du kannst selber entscheiden, wie viel du davon möchtest. Sag aber nicht, ich hätte dich nicht gewarnt…

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 * Das Ermüdungskrönchen ist ein Kurzgriff für den Ermüdungsstrom.
Dafür legt man die Fingerspitzen beider Hände seitlich neben den Scheitel.
So richtig dezent kriegt man das aber einfach nicht hin ;)

 

Wenn du nicht so auf den großen Auftritt stehst, habe ich im folgenden ein paar Strömtipps für dich zusammengestellt, die sich allesamt gut und unauffällig in der Öffentlichkeit durchführen lassen:

 

1. Unser Multifunktionswerkzeug (quasi unser Schweizer Messer): die Finger

  • Sie lassen sich nun wirklich in jede Situation einbauen, und zum Glück haben wir sie immer dabei. Halte dir den oder die Finger, mit denen du dich in der Situation gerade wohl fühlst.
  • Wenn du merkst, dass in dir eine gewisse Aggression aufsteigt
    gegen die Ärztin, die irgendwie ihr Praxismanagement nicht im Griff hat, weswegen du jetzt schon eine geschlagene Stunde im Wartezimmer sitzt
    oder gegen die Leute vor dir an der Supermarktkasse: "Warum müssen die eigentlich alle ausgerechnet am Freitag nach Dienstschluss zum Einkaufen gehen? Haben die kein Zuhause?", dann wäre der Mittelfinger auf jeden Fall eine SEHR gute Idee ;)
  • Machst du dir hingegen eher Sorgen, wo deine Verabredung bleibt, dann könnte der Daumen dir helfen.
  • Hast du Angst, dass du wegen des Staus deinen wichtigen Termin verpasst, ist dein Zeigefinger dein Freund.
  • Alle Sicherheitsenergieschlösser und die Organströme sind auch in der Hand repräsentiert. Wenn du diese Beziehungen schon aus Selbsthilfebuch 1 und 2 kennst, nutze die Zeit, um dich an sie zu erinnern und ströme dann gezielt den/die Finger.

1. a) Finger-Spezial: die Mudrâ

Die 8 Fingerhaltungen aus Selbsthilfebuch 3 lassen sich ebenfalls sehr gut unterwegs machen.

 

2. Folgende Sicherheitsenergieschlösser lassen sich relativ unauffällig strömen:

  • die Schlösser am Arm/an der Hand: die 17, 18 und (hohe) 19
  • die 3, 11, 12, 22, 13, 14, 15 (hier ggf. den Hosentaschenzugang wählen), die (hohe) 1 sowie 2 und 25 lassen sich je nach Situation ganz gut halten, weitere Schlösser sind je nach Sitzposition zusätzlich erreichbar
  • und natürlich alle Kombinationen daraus, die du kennst

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Hier ist das Halten der 14 in einer Wartesituation perfekt umgesetzt!

 

3. Organ- und andere Ströme

Wer sich mit weiteren Strömen auskennt, findet auch unter diesen welche, deren Anfangsschritte halbwegs öffentlichkeitstauglich sind. Blättere deine Textbücher darauf hin mal durch, vielleicht entdeckst du einen neuen Lieblingsstrom für unterwegs.

 

P.S. Wie wäre es, wenn du dir deine persönliche „Warte-Kollektion“ zusammenstellst und als Zettel im Portemonnaie oder als Notiz auf deinem Handy mit dabei hast? Dann kannst du dich ab sofort immer warten, wenn du wartest.

Falls du noch nicht so ganz genau weißt, wo welches Schloss sitzt: Eine kostenlos herunterladbare Übersicht über die „Sicherheits“-Energieschlösser findest du in der Werkzeugkiste.

Basic RGB

P.P.S. Die Strömtipps gelten natürlich auch für langweilige Besprechungen und andere langatmige Termine, Zug-, Bus-, Schiffs- und Flugreisen und alle anderen Gelegenheiten, bei denen die Zeit irgendwie lang wird und du nicht ausweichen kannst.

 

Und was ist dein Lieblingsstrom bei Langeweile? Verrate uns gerne deinen Strömtipp fürs Warten!

 

 

 

9 Comments

  • Sabine

    Reply Reply 27. November 2015

    Liebe Anke!
    Dieser Artikel ist köstlich! Das Ermüdungskrönchen!!! :)) Und der Hosentaschenzugang! Klasse.
    Danke schön für diese regelmäßige Post. Ich freue mich jedes mal darüber.
    Ich muss gestehen, dass ich beim Anstehen meistens nicht ströme. Ich versuche, immer ganz diskret in die Einkaufswagen der anderen zu schielen. So ganz unauffällig, damit man nicht merkt, wie neugierig ich bin. Ich finde es nämlich immer hochspannend, was andere Menschen so einkaufen.
    Ich plane aber nach deinem Artikel, ab sofort die Wartezeit gesundheitsfördernder zu nutzen und nicht so sehr meinen biederen und niederen Instinkten zu folgen. Mal sehen, was sich da machen lässt….
    Herzliche Grüsse
    Sabine

    • Anke Oltmann

      Reply Reply 28. November 2015

      Liebe Sabine,

      danke für deinen Kommentar und deine Offenheit :)

      Mary Burmeister wird folgendes Zitat nachgesagt:
      „Ein strahlendes Auge zeugt von Neugier. Ein blaues von zu viel.“
      So lange deine Augen nur strahlen wie bisher, ist also alles gut!

      Das Strömen soll ja auch nicht zum Zwang verkommen, ein gesundes Interesse an seinen Mitmenschen ist auf jeden Fall auch etwas Gutes :)

      Herzliche Grüße
      Anke

  • Regina

    Reply Reply 28. November 2015

    Hallo liebe Anke,
    auch ich habe mich köstlich über Deinen Beitrag amüsiert und danke Dir für Deine tollen Ideen!!! In Bahn und Bus halte ich immer meine Finger. In der Warteschlange mach ich es wie Sabine:-)), wenn es nicht gerade Tütensuppen sind, überlege ich, was man aus den Zutaten kochen könnte. Schön, dass sich schon so viele angemeldet haben.
    Herzliche Grüße
    Regina

    • Anke Oltmann

      Reply Reply 28. November 2015

      Liebe Regina,

      auch dir lieben Dank. Die Anregung, sich kreativ mit den Einkäufen anderer auseinanderzusetzen, finde ich großartig!

      Herzliche Grüße
      Anke

  • Sabine

    Reply Reply 28. November 2015

    Liebe Anke!
    Ich muss mich nochmal melden. Ich bin verwirrt!
    Es ist doch neu, dass man direkt hier Kommentare hinterlassen kann, oder? Zuerst konnte man dich nur direkt anschreiben, oder? Ich kann mich allerdings auch täuschen. Auf jeden Fall: Es ist prima so!

    Liebe Regina!
    Das mit den Kochideen ist eine gute Anregung. Ich habe bisher immer überlegt, was das wohl für Menschen sein mögen, die da an der Kasse stehen: Familienstand, Hobbies, usw.
    Mir ist eingefallen, dass ich in Wartezeiten oft meine Handinnenflächen ströme, entweder einhändig, indem ich den Mittelfinger in die Fläche drücke, oder auch gegenseitig, nämlich dann wenn ich mehr Zeit habe und sitze.
    Bei langen Autofahrten nutze ich die Zeit für Strömaktionen, z. B. bei Erkältungen die 3 und die einzelnen Daumen-Fingernagelkombinationen dazu. Immer wieder versuche ich auch die 25, aber das ist mir mit Sicherheitsgurt immer zu unbequem. Das sind meine Beifahrerströmerfahrungen. .
    Wenn ich selbst fahre, wende ich manchmal die Mudra „Daumen-Ringfinger“ an, aber das lenkt mich zu sehr ab. Das könnte kontraproduktiv werden.
    Schönes Wochenende und herzliche Grüße
    Sabine

  • Gundula

    Reply Reply 30. November 2015

    Liebe Anke!
    Danke für die guten Tipps. Ich möchte Dir noch die Gelegenheiten – die meist nicht langweilig oder mühsam sind – mitteilen, die ich zum Strömen benutze: ich gehe des öfteren in die Oper und in Konzerte, da freue ich mich einfach auf die „geschenkte“ Zeit zum Strömen!
    Liebe Grüße
    Gundula

    • Anke Oltmann

      Reply Reply 30. November 2015

      Liebe Gundula,

      vielen Dank für deine Ergänzung! Ja, solche angenehmen Gelegenheiten nutze ich auch sehr gerne zum Strömen :)

  • Georgette

    Reply Reply 1. Dezember 2015

    Liebe Anke,

    es ist mir immer wieder eine Freude von Dir zu lesen – Lächeln in Herz und Gesicht garantiert.
    Und mit Deinem neuen Leitsatz für das WARTEN warte ich dann ab sofort noch leichter :-)

    Meine Lieblingsströme beim Warten:
    Beim Arzt: (wenn ich das Buch vergessen habe) eindeutig die 25er, dann sind die Beine auch gar nicht sooo schwer, wenn ich dann endlich dran komme, und ich schlage die Beine nicht übereinander, was meine Venen nämlich gar nicht mögen und Motzen, warum das so lange dauert, muss ich auch nicht gehen :-)
    Im Stau: der Hauptzentralstrom – für den ganzen habe ich nämlich meist keine Qualitätszeit und so muss es oft das 15er Sandwich tun – und sehen tut mich hier ja (vermeintlich) auch keiner :-)
    An der Kasse: Sei das Lächeln – das hilft immer und verändert die Atmosphäre beim Warten eindeutig für alle Beteiligten

    Alles Liebe
    Georgette

    • Anke Oltmann

      Reply Reply 1. Dezember 2015

      Liebe Georgette,

      danke!!!

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