Hier der Blog-Beitrag als Video (die Textfassung findest du unterhalb des Videos):

Wir hätten es ja gerne einfach und nach Schema F:

Ich habe Symptom A oder Schwierigkeit B – dann halte ich jetzt Schloss X oder mache Strom Y und gut ist es. In den Büchern und auch bei mir im Blog gibt es zahllose Tipps und Rezepte, die genau danach verfahren und vorschlagen, was in welcher Situation helfen soll.

Bei manchen funktioniert das auch auf Anhieb und ganz nach Lehrbuch. Bei anderen hilft es aber nicht. Und dann taucht die Frage auf:

Warum hilft das nicht?

Es gäbe zunächst ganz viel dazu zu sagen, dass es immer, immer, immer auf die individuelle Lebenssituation ankommt, wann welcher Strom hilft. Es kann daher nur ein individueller Weg sein, den man einschlagen muss – und dass dieser geht manches Mal über Umwege.

Das jetzt als Grundlage vorausgesetzt, ist es zusätzlich wichtig zu verstehen, dass das Energiesystem des Menschen kein Uhrwerk ist, das unabhängig von äußeren Einflüssen und immer ganz exakt gleich arbeitet. Im Gegenteil versuchen die Energieströme in uns, sich an die Gegebenheiten anzupassen, so gut sie können. Sie schaffen damit eine individuell für den Moment bestmögliche Balance.

Alle Ströme und Sicherheits-Energieschlösser hängen zusammen und sind aufs Feinste miteinander vernetzt. So passiert es, dass irgendwo eine Ursache für eine Störung ist, die sich dann aber an einer ganz anderen Stelle äußern kann.

Das Schwimmbad-Phänomen

Lass mich mit Hilfe des Schwimmbad-Phänomens erklären, was das für die Wirkung des Strömens bedeutet. Du kannst dieses Phänomen erleben, wenn du im Hallenbad schwimmen gehst.

Hier bei uns ist es so, dass zu normalen Öffnungszeiten meist keine Schwimmleinen gespannt sind und sich die Schwimmenden selbsttätig organisieren. Im Schwimmbecken gelten dabei unausgesprochene Choreographieregeln:

Der vorhandene Platz im Becken wird bestmöglich ausgenutzt, so dass jeder in Ruhe seine Bahnen ziehen kann. Dies funktioniert normalerweise auch recht reibungslos, wenn man mal von gelegentlichen Wildkraulern absieht. Oder ungelenk rückwärts Schwimmenden, die dadurch auffallen, dass sie keine Augen im Hinterkopf haben.

Auch die manchmal etwas langsamer schwimmenden Menschen, die sich während des Schwimmens noch angeregt unterhalten, können normalerweise elegant umkurvt werden.

Kommt jemand hinzu, funktioniert das so:

Als Neuankömmling verschafft man sich zunächst einen Überblick und steigt meist dort ins Becken, wo sich am ehesten eine Lücke auftut. Man beginnt dann, die gewählte Bahn zu schwimmen. Innerhalb kurzer Zeit und fast unmerklich justieren sich alle anderen im Becken neu.

Der Platz wird nun so aufgeteilt, dass sich möglichst alle wieder komfortabel bewegen können. So lange nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwimmen wollen, ist das kein Problem. Man kann im Schwimmbecken dann ein Paradebeispiel für einen ganz organisch ablaufenden Prozess von Selbstregulation beobachten.

Wenn die Selbstregulation aus dem Gleichgewicht gerät

An einem Tag erlebte ich aber folgendes – und das ist eine wahre Geschichte:

Aus den Duschen trat ein Mann heraus, der sich dem Schwimmbecken näherte. Dabei humpelte er recht stark. Nach dem Einstieg ins Wasser schwamm er sehr beherzt los.

Er hatte noch keine halbe Bahn zurückgelegt, da wurde die Schwierigkeit bereits offensichtlich – er schwamm völlig schief! Vermutlich durch die Ungleichheit der Körperhälften bedingt zog er mehr Halbbögen durchs Wasser als gerade Bahnen. Was jetzt passierte, war absolut faszinierend.

Zunächst versuchten die Menschen, die in den direkten Nebenbahnen schwammen, ihm irgendwie auszuweichen. Da er aber mehrere Bahnen kreuzte und auch durch die Ausweichbewegungen seiner Nebenschwimmer kamen immer mehr Menschen aus dem Rhythmus.

Wie eine Welle setzte sich die Störung noch weiter bis nach außen fort, bis sie die Menschen erreichte, die am Rand schwammen. Diese hatten nun keine Chance mehr, irgendwohin auszuweichen und kamen ungewollt zum Stillstand oder stießen am Rand an, weil der Platz einfach nicht mehr reichte.

Das war für mich ein Jin Shin Jyutsu-Aha-Moment

Die Ursache des Chaos lag ziemlich mittig im Becken, die stärksten Symptome zeigten sich aber weit entfernt außen.

Und hier kommen wir jetzt wieder zum Zusammenspiel aller Ströme in unserem Körper:

Es reicht manchmal, dass nur ein Strom aus dem Tritt gerät und alle anderen Ströme werden dadurch berührt.

Es gibt viel Kompetenz im System, mit bestimmten Ungleichgewichten umzugehen und sich anzupassen und das Ganze so gut es geht zu korrigieren. Da werden eben kleine Umwege gemacht oder kurz gewartet, aber im großen Ganzen funktioniert alles weiterhin ausreichend.

Aber wenn die Disharmonie zu groß wird oder lange andauert, wird sich das Ungleichgewicht immer weiter ausbreiten. Es kann sein, dass sich dann Symptome in der Peripherie zeigen, also bildlich gesprochen am Beckenrand, an den wir anstoßen. Doch dort liegt nicht die Ursache.

Und darum hilft dann manchmal alles Strömen nichts

Wenn das bei dir der Fall ist und du dann nur für die vordergründigen Symptome strömst, wird das vielleicht kurzfristig aber nicht auf die Dauer helfen. Weil dort, wo du die Auswirkungen merkst, nicht der Ursprung für die Schwierigkeiten ist.

Und so gleicht das Suchen nach hilfreichen Strömen manchmal einem Detektivspiel, genauer zu erforschen und sich immer mehr dem Zentrum der Disharmonie anzunähern, bis wir Ströme finden, die dann an der Wurzel helfen.

Es gibt dabei bestimmte Systematiken, die man zur Erforschung zu Hilfe nehmen kann. Z.B. den Lendenwirbelkreis, der in den 5-Tage-Kursen unterrichtet wird. Je mehr man das Zusammenspiel der Ströme versteht, desto mehr Informationen hat man darüber, wo man für eine Lösung fündig werden könnte.

Aber manchmal bleibt es auch einfach ein langsames Herantasten, Ausprobieren, Nachspüren und sich langsam, Zwiebelschale für Zwiebelschale, dem Kern Nähern.

Und das ist ein Teil der Antwort, warum Jin Shin Jyutsu manchmal – zumindest vermeintlich – nicht hilft. Es kann dann daran liegen, dass wir für ein Projekt einfach am falschen Ende, oder besser gesagt an einem weit entfernten Ende ansetzen.

Da hilft dann manchmal nichts anderes, als den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und so lange zu schwimmen, bis man den Schwimmer im Becken entdeckt, der keine geraden Bahnen schwimmt!

Und als kleine Randnotiz:

Das Beispiel dieses Schwimmers, der humpelte und damit alles durcheinanderbrachte, ist gleichzeitig ein tolles Beispiel dafür, warum es so wichtig ist, dass du dich um den Vermittlerstrom kümmerst und er harmonisch arbeitet!

Denn der Vermittlerstrom ist genau dafür zuständig, für ein Gleichgewicht zwischen den Seiten zu sorgen. Je besser alle Ströme links und rechts ausgeglichen sind, desto besser geht es dir und desto freier kannst du durchs Leben schwimmen.

Die Selbsthilfe für den Vermittler ist dabei denkbar einfach:

  • Du legst eine Hand auf das gegenüber liegende SES 11 im Übergang zwischen Nacken und Schulterpartie.
  • Mit der anderen Hand bildest du einen Ring, indem du den Daumen auf den Ringfingernagel legst.
  • Und wenn du es halbwegs bequem hinbekommst, kannst du noch die Knieinnenseiten aneinanderlegen und so deine „Sicherheits“-Energieschlösser 1 bedenken.

Mehr über den Vermittler und viele weitere Helfer auf dem Weg zu mehr Harmonie gibt es  übrigens im Selbsthilfebuch 1 von Mary Burmeister:

Dann wünsche ich dir jetzt möglichst freie Bahn im Schwimmbecken deines Lebens!



    10 replies to "Warum hilft der Strom nicht?"

    • Britta

      Liebe Anke,
      vielen Dank für Deinen schönen Film. Michael Wenninger sagte dazu „die Ursache hinter der Ursache hinter der Ursache“.

      Schön, dass Du mich daran erinnert hast.

      Liebe Grüße
      Britta

    • Ursula

      Liebe Anke ein großartiges Beispiel um zu erkennen dass die Ursache der Beschwerden viel tiefer liegen kann. Mir ging beim Lesen regelrecht ein Licht auf!!!
      Vielen Dank für Deine so hilfreichen Tipps!!

    • Ursula

      Liebe Anke mir wird gerade bewusst wie mir das Lesen dieses Artikels wieder Mut macht! Schon gehe ich zuversichtlich in den neuen Tag!! Von Herzen Dank!!! Liebe Grüße Ursula

    • Renate

      Liebe Anke,
      Schwimmbad und Vermittlerstrom, was für ein plastisches Beispiel! Das prägt sich sofort ein und vergißt man nie mehr. Vielen Dank für diesen hilfreichen Tipp und „Strömanstoß“, denn manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
      Herzliche Grüße Renate

    • Birgit Thobe

      Liebe Anke, jetzt verstehe ich auch wozu der Vermittlerstrom da ist. Letztes Jahr hatte ich starke Schmerzen im Steiß bis in die linke Hüfte ziehend, nachts konnte ich deswegen kaum schlafen. Auf deinem Blog habe ich mich kundig gemacht und geströmt. Leider half es nicht.
      Und ich habe mich gefragt warum? Mit deinem Artikel verstehe ich es deutlich besser.
      Danke LG Birgit

    • Anna Schmid

      Liebe Anke
      Deine bildhafte Erklärung ist so super….

    • Marion

      Liebe Anke,
      was für eine tolle Analogie!
      Merci und herzliche Grüße,
      Marion

    • Thomas Neymeyer

      Liebe Anke! Erst mal für das Neue Jahr alle guten Wünsche, Gesundheit und Freude, Ausgeglichenheit und Balance.
      Dieses neue Video ist sehr ansprechend, weil sehr anschaulich. Super Idee, das System so zu erklären. Vielen Dank!
      Herzlich
      Thoms, Ulm

    • Ines Jung

      Liebe Anke, ❣ lichen Dank für deine wieder mal wunderbaren Erklärungen. Manchmal fragt man sich schon, gerade auch wenn man andere strömt, warum sich denn da vermeintlich wenig tut…. du machst wieder Mut und neue Sichtweisen frei. Leider verlieren die „Geströmten „ dann schnell den Glauben an die tolle Unterstützung durch JSJ.. Viele sind leider zu ungeduldig mit sich und erwarten schnelle Ergebnisse., obwohl sich Symptome oft lange über Jahre aufgebaut haben.
      Ich freue mich über jeden neuen Blog von dir, du machst das wirklich so toll, Vielen lieben Dank 🙏 Ines

    • Sabine

      Liebe Anke! Dein neuer Artikel ist klasse, vielen Dank dafür! Mir gingen auch nochmal neue Lichter auf mit dem sehr anschaulichen Schwimmbad-Vermittler-Vergleich…und in der momentan äußerst schwierigen Lage mit Corona freue ich mich ganz doll über solche Highlights👍🏼🍀😊Herzliche Grüße von Sabine

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