Jin Shin Jyutsu - Partyschreck

Wenn man das Jin Shin Jyutsu erst einmal kennen und schätzen gelernt hat, dann ist es ja so, dass man sich sein Leben ohne das Strömen nicht mehr vorstellen kann und will.

Fast zwangsläufig entsteht daraus die Idee, dass das, was einem selber so gut tut, doch auch möglichst vielen anderen zugänglich sein sollte. Da das Jin Shin Jyutsu noch so unbekannt ist, können die anderen Leute ja nichts dafür, dass sie es noch nicht wissen.

Aber das lässt sich ganz einfach ändern.

Jemand von den Kollegen hat Kopfschmerzen? Da scheut man sich nicht, unter den Tisch zu kriechen und demjenigen mal kurz die großen Zehen zu halten.

Das Nachbarskind hat Bauchschmerzen? Es wird mit dem gut gemeinten Ratschlag: „Dann halt dir den Daumen!“ bedacht.

Die beste Freundin leidet unter chronischer Verstopfung? „Du, ich geh da jetzt ja zu einer Jin Shin Jyutsu-Praktikerin, da könntest du auch mal hingehen.“

In unserem missionarischen Eifer sind wir – vor allem zu Beginn – kaum zu stoppen. Niemand ist vor uns sicher. In jeder passenden und unpassenden Situation schwärmen wir vom Strömen, geben unzählige Selbsthilfetipps oder bieten unsere Dienste an.

Und wundern uns über die Reaktionen.

Was ist das denn für ein Humbug?

Was für uns selbstverständlich geworden ist, ist für die meisten anderen einfach nur sehr merkwürdig – und das ist noch höflich ausgedrückt. Wir vergessen in unserer Euphorie, dass auch wir selber ja sicher am Anfang das eine oder andere Fragezeichen zu dieser ganzen Sache hatten. (Also ich jedenfalls schon…) Und so endet unser Überschwang leider allzu oft in einer Sackgasse.

Auf einer Party angesprochen zu werden „Und was machst du so?“ ist daher für jeden, der mit Jin Shin Jyutsu womöglich auch noch beruflich zu tun hat, keine einfach zu erledigende Smalltalk-Aufgabe, sondern hochsensibles Terrain.

Gleiches gilt, wenn Mitmenschen von einer Erkrankung wissen, die man in den Griff bekommen hat. Die heikle Frage ist dann „Und was hat dir geholfen?“ Es gilt einzuschätzen, wie weit man gehen kann. Die Mitmenschen sind da recht schonungslos und lehren einen im Laufe der Zeit, was geht und was nicht geht.

Wem wir so begegnen

Wenn man einen Glückstag erwischt, dann trifft man auf jemanden, der das Jin Shin Jyutsu schon kennt oder zumindest schon mal davon gehört hat. Das sind meistens gute Voraussetzungen, dass das Gespräch weitergehen kann.

Bei den Leuten, die das Jin Shin Jyutsu noch nicht kennen, gibt es viele Abstufungen.

Da ist die hochgeschätzte Spezies der grundsätzlich Interessierten, die sich jedes noch so abwegige Thema erstmal anhören. Vielen Dank, dass es euch gibt!

Dann sind da die „in diese Richtung“ Interessierten, auch kein Problem.

Schwierig wird es ab der nächsten Kategorie.

Hierbei handelt es sich um Menschen, die am Thema nicht interessiert sind, andererseits aber zu höflich sind, um das direkt auszudrücken. So entspannt sich ein tastendes Gespräch, das für beide Seiten sehr anstrengend werden kann. Daher gilt es hier, möglichst bald die Kurve zu kriegen. Am besten widmet man sich dem Gesprächspartner: „Genug von mir. Und was machst du so?“ Mal gucken, was sich da Spannendes ergibt.

Dann gibt es weniger geduldige Mitmenschen, die entweder gleich das Thema wechseln oder die üblichen Vorbehalte vorbringen und einen davon überzeugen wollen, dass DAS nun wirklich nicht unser Ernst sein kann. Wenn du nicht zu den ganz Unbeirrbaren mit einer hohen Schmerztoleranz gehörst, solltest du in solchen Situationen deine Energie hier nicht weiter ver(sch)wenden.

Zu guter Letzt – auch das habe ich schon erlebt – führt das Erwähnen von Jin Shin Jyutsu manchmal zum mehr oder wenigen abrupten Gesprächsabbruch. Unverhofft fühlt man sich als Partyschreck und Smalltalk-Killer.

Und jetzt?

Ich erzähle das nicht, um zu entmutigen. Es haben sich schon wunderbare Kontakte auf Partys oder bei anderen Smalltalk-Gelegenheiten ergeben. Und irgendwie soll Jin Shin Jyutsu ja auch in die Welt gebracht werden. Das funktioniert nur dann, wenn wir davon erzählen.

Wir müssen uns fürs Strömen nicht schämen oder verstecken – im Gegenteil!

Dennoch braucht es etwas Fingerspitzengefühl (das wir mit zunehmender Strömerfahrung praktischerweise sowieso immer mehr entwickeln), WEM wir WANN WIE VIEL über das Strömen erzählen.

 

So gelingen Gespräche übers Strömen

 

  • Vertrau darauf, dass du im Laufe der Zeit ein immer besseres Gefühl dafür entwickelst, bei welchen Gesprächspartnern du mehr riskieren kannst und bei welchen du dich lieber auf Allgemeinplätze zurückziehst.
    Man ist allerdings nie vor Überraschungen in die eine oder andere Richtung sicher, also nicht selber in die Klischeefalle tappen!

Als naheliegendes Beispiel kann ich von sehr unterschiedlichen Erfahrungen in Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten berichten. Manche waren sehr interessiert, bei anderen sah man förmlich, wie im Inneren augenblicklich die Jalousien heruntergelassen wurden.

Zwei meiner begeistertsten Klienten jemals waren zum einen ein hochrangiger Manager, der immer nach dem Büro noch in Anzug und Krawatte zu mir kam. Ein anderer war Fensterputzer, fernab irgendwelcher asiatischer Philosophien. Beide machten auf ihre Weise Strömerfahrungen, die sie sehr bereicherten.

 

  • Gerade am Anfang braucht man viiiiiiiiiel Geduld. Es reicht oft, das Strömen erstmal kurz zu erwähnen. Irgendwann, Monate oder Jahre (!) später kommen die Menschen dann unerwartet auf einen zu. „Du hast mir doch mal von diesem „Jui Jutsu“ erzählt. Sag mal, hilft das eigentlich auch bei…?“ Dann kann das eigentliche Gespräch beginnen.

Eine meiner langjährigen Strömklientinnen strömt sich selber seit rund 20 Jahren. Neulich erzählte sie mir von einem ihrer erwachsenen Söhne, der das Strömen immer vehement abgelehnt hatte. Sie hat daher auch nie versucht, ihn irgendwie zu „bequatschen“. Rein zufällig bekam sie nun mit, dass dieser Sohn sich vor kurzem doch tatsächlich selber ein Strömbuch gekauft und mit dem Strömen begonnen hat. Verraten hat er es seiner Mutter noch nicht, aber das kommt vielleicht noch…

 

  • Damit sind wir beim wichtigsten Tipp: Viel mehr, als ständig über das Strömen zu reden, können wir mit dem, was und wie wir sind, auf die Dauer überzeugen. Mary Burmeister nennt es:„Sei dein eigenes Zeugnis“.

Warten wir doch darauf, dass die Menschen auf unsere Veränderungen reagieren. Oft genug kann sich ein Gespräch entspinnen, wenn jemand fragt: „Warst du im Urlaub? Du siehst so gut erholt aus!“ – So z.B. schon oft passiert, nachdem jemand kurz zuvor bei einer Jin Shin Jyutsu-Sitzung gewesen ist.

Oder eine meiner Strömgruppenteilnehmerinnen, die von ihren Kolleginnen schon mehrfach angesprochen wurde, dass sie so viel ruhiger und entspannter geworden wäre. Wenn die Veränderung so ins Auge fällt, wird auch das Interesse größer, mehr über die Hintergründe zu erfahren.

 

Je selbstverständlicher wir mit dem Strömen umgehen als Teil unseres EIGENEN Lebens – ohne uns zu verleugnen, aber auch ohne andere gegen ihren Willen überzeugen zu wollen – desto glaubwürdiger und strahlender werden wir selber auf die Dauer sein.

Denn am Ende geht sowieso nichts über die eigene Erfahrung. Bis dahin ist es aber für viele Menschen ein langer Weg. Und für manche führt der Weg auch gar nicht dorthin – auch das ist völlig in Ordnung und sollte akzeptiert werden!

Wir können die Menschen um uns herum ein Stück begleiten – entscheiden müssen sie es aber letztlich ganz alleine.

 

Meine Strömtipps:

  • Wenn wir dazu neigen, zu viel (oder auch mundfaul zu wenig) zu reden, können wir den Magenstrom anwenden. Für den ersten Schritt halten wir mit der RECHTEN Hand die linke 21 und mit der LINKEN Hand die linke 22. Für die andere Körperseite kannst du alles entsprechend umkehren.
  • Um uns von den Vorurteilen anderer nicht abwerten zu lassen und uns als Partyschreck abgestempelt zu fühlen, können wir uns die 19 am Ellenbogen halten. Diesen Griff können wir uns z.B. als Vorbereitung auf eher schwierig eingeschätzte Gespräche halten oder auch währenddessen. Das Halten der 19 hilft uns, für unsere eigenen Überzeugungen einzustehen, ohne sie anderen aufdrängen zu wollen.

P.S. Falls du noch nicht so ganz genau weißt, wo welches Schloss sitzt: Eine kostenlos herunterladbare Übersicht über die „Sicherheits“-Energieschlösser findest du in der Werkzeugkiste.

Und welche Erfahrungen hast du schon gemacht? Warst du auch schon mal ein Partyschreck wie ich? Oder welche schönen Erlebnisse hattest du schon als du über das Strömen mit jemandem gesprochen hast? Berichte gerne davon in den Kommentaren.



    4 replies to "Bist du ein Partyschreck?"

    • Kirstin

      Liebe Anke,

      herzlichen Dank für diesen Artikel!! Wie immer humorvoll und auf den Punkt :)! Und kommt gerade wie gerufen für mich! Meine JSJ Missionierungsversuche-Phase *lol* habe ich schon weitgehend überwunden und genau die Erfahrungen (in alle möglichen Richtungen) gemacht, die du beschreibst. Ich dachte, ich hätte gelernt ;)….Nun darf ich merken, dass ich es seit ein paar Monaten (wo mich neben dem JSJ die TCM sehr intensiv bereichert) mein Missionierungsdrang erneut zur Blüte gelangt. Ich spüre, wie (!!!) anstrengend das ist, wie viel Bemühung es kostet (z.B. den mir Liebsten das ach so gesunde Essen schmackhaft zu machen und die richtigen Forumlierungen zu finden, damit der Funke überspringen kann). Ich merke, wie sehr es mich erschöpft und gleichzeitig, wie wenig effektiv es ist. Denn es geht immer nur so viel, wie der andere zuzulassen bereit ist. Wie danke ich dir für die Erinnerung an Marys Worte, selbst das Zeugnis zu sein.
      Was mir bewusst wird ist, wie viel eigene Angst auch dahintersteckt. Angst um die mir Liebsten, denen es nicht gut geht – was ich nur schwer aushalten kann und Angst, wo es mit ihnen hingeht, wenn ’sie nicht endlich mal was für sich tun‘ (oh arrogantes Ich *schäm*)….Was zeigt es mir?! Ich darf AN MIR arbeiten, AN MEINEN Ängsten, AN MEINEM (fehlenden) Vertrauen ins Leben…..Dann kann ich es vielleicht auch besser aushalten, den anderen seinen Weg gehen zu lassen und darauf vertrauen, dass ich mit dem umgehen kann, was das für mich bedeutet (z.B. wenn ich sehen muss, wie jemand krank ist, den ich liebe).
      Ein sehr vielschichtiges Thema und ich liebe das JSJ weil es mir Möglichkeiten anbietet, solche (Selbst-)Erkenntnisse zu harmonisieren und BEI MIR zu schauen.
      Danke für deine Anregung !

    • Claudia Pongratz-Liedl

      Liebe Anke. liebe Kirstin
      dieser Artikel ist wieder mal hervorragend geschrieben und passend zu meiner evtl. der Situation von vielen Strömern. Ich bin selbst auch noch Heilpraktikerin und habe all diese Missionierungsversuche schon hinter mir :) auf Kosten mancher ( fragwürdiger) Freundschaften, auf alle Fälle habe ich mir einiges an Enttäuschungen eingehandelt. Man entwickelt im Laufe der Jahre einfach einen anderen Blick auf die Menschen und nimmt sehr viel Unsichtbares wahr, aber man darf nur helfen, wenn man dazu aufgefordert wird – so jedenfalls ist meine derzeitige Meinung; und indem ich mich vorrangig um meine eigenen Themen kümmere, also mich selbst ströme, kann ich ganz andere, neue Sichtweisen erleben – erkenne mich selbst ! – und versuchen die Angst in Vertrauen zu wandeln .Die 19 ist in der direkten „Party- Konfrontation“ immer sehr hilfreich und die 12, der Zeigefinger und Nierenstrom speziell fürs Vertrauen ins Leben.
      Es ist so schön, dass es diesen Austausch hier gibt.
      Danke.

    • Ruth Neuhäuser

      Ich persönlich stelle JSJ nicht vor – ich frage, ob ich die Personen berühren darf und dann lege ich Hand an – die eigene Erfahrung und wenn es nur die reine Berührung meiner Hände ist, öffnet das Herz – ein Samen ist gesät und die Pflege und Blüte habe ich übergeben – die Eine und der Andere kommt dann auf mich zu und will mehr wissen und einige widmen sich in Selbsthilfe – ich bin ein Startkabel auch für JSJ

    • Sabine Mertes

      Liebe Anke!

      Danke für diesen rundum schönen Artikel! Du schreibst so so nett: amüsant und informativ!

      Ich habe in der letzten Zeit festgestellt, dass es bei der „JSJMissions-Arbeit“ unerwartete Spätfolgen geben kann:

      – Im letzten Jahr traf ich mich mit meiner Uralt-Freundin Ramona zum 40-jährigem Abitreffen. Als wir klönenderweise an der Bushaltestelle standen, sagte sie auf einmal: „Ach ja- ich hab wieder mit JSJ angefangen.“ Ich fiel aus allen Wolken! Als ich vor gut vier Jahren das unglaubliche Glück hatte, Anke kennenzulernen, habe ich natürlich versucht, alle mit meiner Strömbegeisterung anzustecken. Und bei Ramona hat es wohl gewirkt. Obwohl ich das irgendwie nicht wahrgenommen habe.

      – Ein anderer Fall ist meine drittälteste Tochter. Sie strömt sich regelmäßig selbst, inzwischen auch ihren Hund und, wenn ihr Wirbelwind von Töchterchen es zulässt, natürlich auch Greta.

      – Nach einem unglücklichen Start vor vier Jahren ist inzwischen auch mein Mann sehr dankbar, wenn ich versuche, seine Rücken- und Beinschmerzen zu lindern. Er genießt das Strömen sehr! Wer hätte das gedacht? :)). (Er geht im Moment zur Physiotherapie, kam nach dem ersten Termin zurück und sagte: „Das ist auch so eine Strömtante. Sie hat mich geströmt.“ (Ruth, du bist nicht alleine!!!!)

      Kurioserweise strömt allerdings diejenige, die mir Ankes Praxis empfohlen hat, nämlich meine älteste Tochter, weder sich noch Kind noch Hund. Das Leben ist merkwürdig!

      Herzliche Grüße an alle
      Sabine

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*