Strömen

Warum du ab heute den „schnellsten Weg, etwas mit dem Strömen zu erreichen“ neu denken solltest – und damit deinen Zielen wirklich näher kommst!

Im Laufe meiner vielen Jahre als Jin Shin Jyutsu-Praktikerin gibt es eine Frage, die mir mit Abstand am häufigsten gestellt wird:

Was soll ich am besten strömen,
damit ich möglichst schnell XY erreiche/weg bekomme?

Das ist immer sehr schwer zu beantworten. Es kommt hinzu, dass diese Frage meiner Meinung nach auf lange Sicht nicht weiterhilft. Es gibt 2 Gründe dafür:

  • Zum einen liegt die Betonung darauf, "schnell" zu sein. Wenn es sich um akute Notfälle handelt, ist das natürlich ein berechtigtes Anliegen und in diesem Fall gibt es auch (erste) Antworten.
     
    Doch es hat sich meiner Erfahrung nach nur selten auf die Dauer bewährt, immer wieder nach Schnellschusslösungen zu suchen. Stattdessen geraten diese Menschen über die Zeit eher mehr in die Disharmonie.
     
    Chronische Projekte entstehen meist langsam - über Jahre oder Jahrzehnte -, wie sollte es dann möglich sein, dass sie über Nacht verschwinden?
  • Zum anderen steht dahinter die Idee, dass es einen "besten" Weg geben könnte. Also eine Abkürzung oder ein allgemein gültiges Geheimrezept. Dabei wird übersehen, dass es sich immer (!) um eine individuelle Situation handelt und deswegen auch nur eine individuelle Lösung geben kann. Und es drückt die Hoffnung aus, dass man möglichst die "Arbeit", sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, vermeiden könnte.
     
    Eine Strömlösung für ein Problem zu finden hat aber genau damit zu tun: sich auf die individuelle Ursachensuche zu begeben und dann das Strömen kontinuierlich anzuwenden. Das bedeutet auch mal Stagnation, Rückschritt oder einfach Durchhalten.
     
    So lange wir nach dem "besten" Weg fragen, befinden wir uns stattdessen eher auf der Suche nach einem magischen Knopf - nur dass es keinen magischen Knopf gibt.

Von Hektik und Geduld

Wenn du Erfolg – mit was auch immer – haben möchtest, dann brauchst du 2 Zutaten: Mikro-Hektik und Makro-Geduld. So sagt es Gary Vaynerchuk, und ich stimme ihm zu.

In der japanischen Zen-Tradition würde die gleiche Weisheit so ausgedrückt:

Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

 

Mikro-Hektik bedeutet, dass man seinen Fokus möglichst nur auf den nächsten wichtigen Schritt richtet und nicht gleichzeitig schon bei Schritt 10 und 23 ist.

Bei der Makro-Geduld geht es darum, Veränderungen Zeit zu geben, denn sie werden oft nicht sofort eintreten.

Diese Haltung ist nun ziemlich gegenteilig zu dem Ansatz der eingangs gestellten Frage nach dem bestmöglichen und schnellsten Weg.

Geht es um die Antwort oder die Frage?

Immer wieder überlege ich, wie ich diese Frage, wenn sie mir gestellt wird, am besten beantworten könnte. Es ist ja nicht so, dass ich die heimliche Sehnsucht dahinter nicht verstehen (und selber kennen) würde. Ich will auch niemanden entmutigen oder enttäuschen. Nur ist die Antwort eben nicht so einfach und kurz zu fassen. Sie ist nicht „Ja“ oder „Nein“ und lautet auch nicht „Rezept XY“.

Je mehr man darüber nachdenkt, desto klarer wird, dass bei der ganzen Sache das Problem nicht die Antwort ist, die so schwer fällt, sondern dass es die Frage ist, die es kompliziert macht.

Was wäre, wenn wir die Fragestellung so öffnen, dass es Raum gibt, in dem wir unsere Kraft entfalten und individuell gestalten können?

Man könnte die Frage so stellen:

Welche meiner Möglichkeiten, die ich im Moment
zur Verfügung habe, können mich meinem
Ziel einen Schritt näher bringen?

Mit dieser Frage können wir nun wesentlich konkreter arbeiten. Es ist aber auch offensichtlich, dass man sie nur vor dem persönlichen Hintergrund der einzelnen Person beantworten kann, je nachdem, wie die Lebenssituation gerade ist und welche Möglichkeiten vorhanden sind.

Die Antwort kann dann nicht mehr von außen kommen, sondern nur von der Person, die die Frage stellt.

Umwege sind nicht so schlecht wie ihr Ruf

Diese Herangehensweise bedeutet auch, dass es nicht den einen ganz direkten Weg geben wird. Stattdessen wird es Irrungen und Wirrungen geben. Man wird das Gefühl haben, mal in die falsche Richtung zu gehen oder eine unnötige Schleife gemacht zu haben, wo es doch auch eine bequeme Abkürzung gegeben hätte.

Und doch wird man am Ende eines Teilwegs dann sehen, dass alles seinen Sinn gehabt hat, so wie es war. Wenn man schon bereit für die Abkürzung gewesen wäre, hätte man sie genommen. Dass man sie übersehen hat, spricht dafür, dass man den Extraweg noch gebraucht hat. Genau so lassen sich auch Dauerschleifen erklären, die man immer und immer wieder durchläuft. Irgendwie hat man das Schild mit der Aufschrift „Ausgang“ noch nicht gefunden und muss einfach noch weitersuchen. Für all das Gesagte gilt:

Die vermeintlichen Umwege
führen dich am direktesten zum Ziel.

 

Was kannst du nun konkret tun auf deinem Weg?

Wenn wir die Frage öffnen, wird auch eher eine Antwort darauf möglich.
Für mich sind es im Wesentlichen 3 Schritte, die dich voranbringen werden.

1. Beginne, die Ursachen zu erforschen

Keins der Projekte im Leben ist zufällig so wie es ist. Man verhält sich nicht „einfach so“ und die Probleme, die man hat, sind auch nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Es geht dabei nicht um Schuld, das kann man nicht oft genug wiederholen.

Dennoch trägt man z.B. mit seinem Verhalten, seinen Denkweisen, dem Wiederholen alter Familienmuster usw. zur eigenen Lebenssituation bei und gestaltet sie maßgeblich. Je bewusster man sich dessen wird, desto gezielter kann man etwas verändern.

Die erste Frage, um die es also in aller Schlichtheit geht, ist:

Weißt du, warum du dieses Projekt hast?

Welche Antworten kommen dir dazu intuitiv in den Sinn? Meine Erfahrung ist, dass „eigentlich“ fast jede selber weiß, warum sie gerade in dieser Situation steckt. Statt jetzt darauf zu warten, dass sich alles von selber auflöst oder jemand von außen dich „errettet“, stehen dir mit dem Strömen alle Möglichkeiten offen, selber mit der Harmonisierung zu beginnen. Und du selber weißt in deinem Inneren, wo der beste Startpunkt dafür wäre.

Hilfreich können auch folgende, etwas konkretere Fragen sein:
  • Was an meinem derzeitigen Lebensstil trägt dazu bei, dass es mir gerade so geht, wie es mir geht?
  • In welchen Gedankenmustern bleibe ich immer wieder stecken?
  • Welche Problemmuster wiederholen sich in meinem Leben bzw. an ganz unterschiedlichen Stellen?

Bei schwereren Etiketten, die neu auftreten:

  • Was ist in den letzten 2-3 Jahren passiert, das einen Zusammenhang mit meinem Projekt haben könnte?

Wenn du dich damit ehrlich beschäftigst, werden die Themen klar hervortreten, an denen du arbeiten kannst. Das kannst du dann auf ganz verschiedenen Ebenen tun. Das Strömen ist dabei nicht die schlechteste Idee.

Dennoch ist auch klar: Wenn du nicht gleichzeitig an den Ursachen arbeitest und z.B. Belastungen minderst, Trauer verarbeitest, Mut fasst oder um was auch immer es bei dir geht – dann kannst du SEHR lange strömen und es wird sich dennoch wenig tun. Das gilt dann aber nicht nur fürs Strömen…

Da du diesen Artikel liest, spricht viel dafür, dass du bereit bist, dich auf die Reise zu dir selber zu machen und dich auch deinen Ängsten und Widerständen zu stellen. Das Schöne am Strömen ist, dass wir uns nicht in der Ursachenforschung vergraben müssen und erst alles bis ins letzte Detail „verstanden“ haben müssen, um gleich mit dem Harmonisieren beginnen zu können. Und damit kommen wir zu Schritt 2.

2. Selber Strömen

Beim Strömen haben wir unseren Fokus möglichst immer auf der Harmonie. Um die Frage von oben aufzugreifen, bedeutet das also konkret:

Welcher Strom/welches "Sicherheits"-Energieschloss
kann mir in meiner momentanen Situation helfen,
einen Schritt mehr in die Harmonie zu kommen?

Wenn du aus dem 1. Schritt der Ursachenforschung weißt, worum du dich als erstes kümmern möchtest, kannst du jetzt gezielt gucken, welche Selbsthilfe du dafür finden kannst. Oft wird es dafür mehrere Möglichkeiten geben. Wenn du Geduld hast, probiere eine nach der anderen aus und bleibe dort dran, wo es dir sinnvoll erscheint. Oder lasse deine Intuition entscheiden.

Schule deine Intuition für Entscheidungen

Es gibt in der Psychologie einen ganz einfachen Trick, wie man herausbekommen kann, was man will. Wenn man sich zwischen 2 oder mehr Dingen nicht entscheiden kann, schreibt man diese auf Zettel, wirft sie in einen Losbeutel und zieht dann einen Zettel wieder heraus. Das soll dann die Lösung sein, die umgesetzt wird.

Was passiert in dem Moment, wo man den Zettel aufschlägt und die Lösung sieht?

a) Man freut sich, dass es diese Lösung geworden ist. Das beste Zeichen, gleich damit anzufangen!

b) Man ärgert sich, dass es nicht doch eine andere Lösung geworden ist. Alles klar, du nimmst die andere Lösung.

Mehr Anregungen dazu, wie man sich einen individuellen Strömplan basteln kann, gibt es in diesem Artikel.

 

3. Lass dich strömen

Die Selbsthilfe ist in ihrer Wirksamkeit auf die Dauer kaum zu schlagen. Dennoch kann das sich Strömen lassen einen ganz wichtigen Beitrag leisten und eine große Unterstützung sein. Nicht nur, dass es einfach sehr schön ist, die Verantwortung für einen Moment abzugeben und sich mal am Rücken strömen zu lassen, wo man sonst selber schlecht herankommt. Es findet auch Austausch statt und man kann seine Sichtweise auf Lösungsmöglichkeiten erweitern. Die Frage in diesem Schritt ist also:

Wo und wie finde ich Unterstützung
auf meinem Weg zu mehr Harmonie?

Wenn du dich dafür entscheidest, geströmt werden zu wollen, gibt es im Wesentlichen diese Möglichkeiten:

  • Such dir eine Strömgruppe in deiner Nähe. Adressen dazu findest du z.B. hier.
  • Wenn es in deiner Nähe keine Strömgruppe gibt, gründe selber eine. Ab 2 Personen kann es losgehen!

 

Luxusvariante

Gönne dir eine, besser noch mehrere Sitzungen in einer Jin Shin Jyutsu-Praxis. Das sage ich nicht deshalb, weil ich eine Praxis habe und dafür Werbung machen will. Vielmehr war das Teil meines eigenen Wegs. Ich habe heute überhaupt nur eine Praxis, weil ich selber erlebt habe (und immer noch erlebe), wie gut es tut, von jemandem geströmt zu werden.  Dabei vielleicht auch Fragen gestellt zu bekommen, auf die man selber nicht käme - oder die man sich nicht gerne selber stellen möchte. Sich beim Strömen ganz fallen zu lassen und auf eine tiefgehende Weise berührt zu werden.

Eine Liste von Praxen findest du hier.

 

Gibt es nicht doch noch einen Geheimtipp, um effizienter zu strömen?

Doch, den gibt es.

Die Gleichung ist folgende:

  • Je genauer du dich kennst und die Zeichen deines Körpers und deiner Seele zu deuten weißt,
  • je kontinuierlicher du dich strömst bzw. strömen lässt und damit dein Körper immer schneller aufs Strömen reagieren kann
  • und je mehr du Jin Shin Jyutsu wirklich "studierst" und die Zusammenhänge beginnst zu verstehen,
  • desto leichter wird es dir fallen, den für dich im Moment passendsten Griff zu finden und auch schnell eine Wirkung zu spüren.

Du ahnst, dass das alles nicht über Nacht passieren wird. Dennoch ist das der kürzeste und schnellste Weg, den ich kenne!

 

Jetzt bist du motiviert, noch mehr über die Zusammenhänge im Jin Shin Jyutsu zu lernen? Hier geht’s zum Artikel, wie man das am besten anstellt.

 



 

    3 replies to "Die 3 schnellsten Wege, mit dem Strömen etwas zu erreichen"

    • Sabine

      Liebe Anke, liebe Strömerinnen und Strömer!

      Jetzt hab ich diesen tollen, tollen Artikel schon drei mal gelesen, bin versucht auf ganz viel zu antworten, hab mich aber nun entschlossen, wenigstens ein paar Anmerkungen zu schreiben.

      Anke, du schreibst, der Fokus sollte auf dem nächsten wichtigen Schritt liegen. Ich meine: Er sollte auf DIESEM wichtigen Schritt liegen! Denn wenn das gelingt, dieses Konzentrieren auf das Jetzt (z. B. auf das was ich GRADE ströme), dann ist es für mich eine Meditation, ein Im-Jetzt-Leben. Dann entsteht dieses wohlige, mich glücklich machende Gefühl. Das passiert mir ab und zu beim Selberströmen, leichter beim Geströmtwerden.

      Dein Tipp zur Entscheidungsfindung ist echt gut! Ich musste an das Zitat (angeblich von Marilyn Monroe) denken: „Ist Ihnen je aufgefallen, dass Ach-was–soll’s?! immer die richtige Entscheidung ist?“
      Auf’s Strömen bezogen hieße das:
      Hauptsache, du strömst dich! Egal was! Es wird das Richtige sein. Und hab Geduld.

      Herzliche Grüße
      Sabine

      • Anke Oltmann

        Liebe Sabine,

        das Zitat kannte ich noch nicht – köstlich und so wahr!

        Danke für deine schönen Gedanken zum Artikel.

        Sei herzlich gegrüßt
        Anke

      • Marion

        „Ach was solls?!“
        Das kannte ich auch noch nicht.
        Gute Idee, liebe Sabine,
        danke für die Inspiration!
        Entscheidungen ohne Kopfknoten und Umwege, toll …

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