Erste Hilfe

Es gibt viele Vorurteile über Jin Shin Jyutsu. Eins lautet:

„Das Strömen mag bei psychischen Sachen helfen, für körperliche Beschwerden kann ich mir das nicht vorstellen.“

Ein weiteres ist:

„Ja, langfristig mag das Strömen seine Wirkung haben, da braucht man aber viel Ausdauer. So auf die Schnelle ist es wohl kaum geeignet.“

Wenn beides in seiner Absolutheit wahr wäre, könnte ich den nun folgenden Artikel nicht schreiben.

Denn wenn viele der Strömanhängerinnen auch genau das lieben: dass das Strömen bei kontinuierlicher Anwendung seine kraftvolle Wirkung entfaltet. Dass das Strömen nicht zwischen Körper und Seele trennt und wir so beidem etwas Gutes tun, wenn wir es anwenden.

Dann heißt das gleichzeitig nicht, dass das Strömen nicht auch in Akutsituationen ein toller Helfer sein könnte!

Schauen wir der Realität ins Auge

Die menschliche Geschicklichkeit lässt es sich nicht nehmen, zwischendurch mal auszusetzen. Da fasst man den heißen Topf ganz in Gedanken ohne Topflappen an. Beim Spülen zerbricht einem ein Glas und man schneidet sich in den Finger. Die Kinder kommen vom Spielen heim und bringen aufgeschürfte Knie, einen Wespenstich oder einen verstauchten Knöchel mit. Wie ich gerade vor kurzem feststellen durfte, kommen übrigens auch Männer ab und zu mal mit verstauchten Knöcheln vom (Volleyball) Spielen nach Hause ;)

Es gibt viele kleine Alltagsnotfälle, die im Haushalt, bei der Arbeit oder in der Freizeit auftreten können. Nicht immer ist es nötig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dennoch wäre es nützlich, wenn man sich mit etwas schnell selber behelfen könnte, um die Beschwerden zu lindern.

Im Jin Shin Jyutsu gibt es auch für solche Fälle viele einfache Griffe, die man anwenden kann. Das beginnt mit dem Fingerhalten zur Beruhigung, geht über das Auflegen der Hände auf Wunden und Verbrennungen und endet noch nicht bei Spezialgriffen für einen Kater, Hustenreiz oder Bauchschmerzen.

Wenn’s brenzliger wird

Manchmal gibt es aber auch akutere Notfälle: Jemand bekommt Herzbeschwerden, kann schlecht atmen oder wird ohnmächtig. Wir sind unterwegs und kommen zu einem Unfall dazu.

Passieren solche Notfälle, ist häufig kein erfahrener Notfallhelfer in der Nähe. Stattdessen handelt es sich um Angehörige, Freunde oder auch einfach Passanten, die gerade Zeuge dieses Notfalls werden.

Natürlich wissen die meisten, dass im Fall der Fälle ein Notarzt zu rufen ist. Schon deutlich weniger wissen, wie die akute Erstversorgung zu erfolgen hat – oder trauen sich nicht zu, sie anzuwenden.

In vielen Fällen gibt es aber „eigentlich“ auch nichts anderes zu tun, als auf das Eintreffen der ärztlichen Versorgung zu warten. Mehr oder weniger hilflos steht man dabei, wie jemand Schmerzen hat oder in einem bedrohlichen Zustand ist.

Hier haben wir mit dem Strömen eine einfache Möglichkeit, trotzdem ein bisschen zu helfen:

Ist so eine Art Erste Hilfe nicht zu riskant?

Da melden sich natürlich die Skeptiker zu Wort und fragen: „Aber was ist, wenn das Strömen nicht funktioniert? Oder kann ich nicht sogar etwas verkehrt machen?“

An dieser Stelle könnte ich zum einen auf die vielen Erfahrungsberichte verweisen. Da wurde bereits in Flugzeugen, auf Bahnhöfen, auf Wanderungen in der Wüste, auf der Autobahn und wer weiß, wo noch, in Notsituationen geströmt. Das Strömen bei sich selber oder von anderen hat häufig zu einer spürbaren Erleichterung bis hin zu erstaunlichen Resultaten geführt.

Zum anderen würde ich die Frage eigentlich anders stellen wollen:

Warum sollte ich auf die Möglichkeit verzichten, der betroffenen Person meine Aufmerksamkeit zu schenken, ihr das Gefühl zu geben, dass sie nicht einfach nur warten muss, sondern ihr schon geholfen wird?

Je mehr Zuversicht und Ruhe ich selber dabei ausstrahle, desto mehr wird sich das auf sie übertragen und alleine schon das wird helfen, Angst und Stress zu reduzieren.

Und wenn bei aller nachvollziehbaren Skepsis dann noch zumindest die Chance besteht, dass das Strömen vielleicht ein ganz kleines bisschen helfen könnte – dann sollte man doch nichts unversucht lassen. Oder?

Wisse, was du tust

Es ist aber natürlich verständlich, dass man im Stressfall dennoch Zweifel hat oder unsicher ist. Jede für sich muss daher gut abwägen, was sie sich zutraut und ob sie eingreifen möchte oder nicht.

Auch an dieser Stelle gilt das universell einsetzbare Zitat von Mary Burmeister:

Es ist egal, was du tust. Hauptsache, du weißt, was du tust.

Daher möchte ich an dieser Stelle ein paar grundlegende Gedanken zusammenfassen, über die man sich klar sein sollte, wenn man in eine Notsituation gerät.

 

Erste Hilfe in Notsituationen

Damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen:

NATÜRLICH sind in einem ernsten Notfall zunächst die gängigen Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen. Was bedeutet, einen Notruf abzusetzen, sich um die Lagerung der betroffenen Person zu kümmern, ggf. vorhandene Notfallmedikamente zu geben usw.

Doch wenn all das erledigt ist, kann dann bis zum Eintreffen der ärztlichen Versorgung geströmt werden.

Hierbei gilt es zu beachten:

Und dann ist es natürlich umso besser, je genauer man weiß, was in der jeweiligen Situation eine erste Hilfe ist.

Mein Strömtipp für die Erste Hilfe:

Die wichtigsten Notfallhelfer sind neben Fingern und Zehen unsere „Sicherheits“-Energieschlösser 1 und 7. Wenn einem in einer Stresssituation auch sonst nichts in den Kopf kommen mag, 1 und 7 sind die Zahlen, die man sich UNBEDINGT merken sollte!

Wenn du nochmal nachschauen willst, wo sich die 1 und die 7 befinden: Eine kostenlos herunterladbare Übersicht über die „Sicherheits“-Energieschlösser findest du in der Werkzeugkiste.

Doch es gibt noch viele weitere allgemeine und speziellere Strömgriffe als Erste Hilfe. Wenn du sie in Zukunft in einer solchen Situation zur Verfügung haben möchtest, kannst du im Onlinekurs zu „Erste Hilfe mit Jin Shin Jyutsu“ mehr darüber lernen.

 



    4 replies to "Tatütata – Erste Hilfe mit Jin Shin Jyutsu"

    • Eva Liebmann

      Das ist eine gute Idee ,so einen Kurs anzubieten.Ich habe schon öfters die Gelegenheit gehabt in Notsituationen mit Jin Shin Jyutsu unterstütztend zu helfen.Ich arbeite in 2 Seniorenheimen als komplementäre DGKP.

    • Britta Nüske-Illenberger

      Liebe Anke,
      Deine Rundbriefe sind immer ganz toll. Vor kurzem kam ich zu einem Notfall auf dem Bahnsteig dazu. Eine Jugendliche hyperventilierte und war ganz außer sich. Allerdings waren schon zwei Helfer am Ort, die beruhigend auf sie einredeten Ich habe ihr SES 1 gehalten. Da lag ich wohl ganz richtig :-). Die 22 konnte ich nicht halten, weil ich das Gefühl hatte, das wird ihr zu nah. Später kamen dann Sanitäter und ich habe den Ort verlassen mit dem Gefühl vielleicht ein bisschen zur Ruhe beigetragen zu haben.

      Ich freue mich auf den nächsten Rundbrief.

      Liebe Grüße
      Britta

    • Ute

      Liebe Anke!

      Super Idee mit dem Kurs!
      Genau heute, als ich diesen Artikel zu Notfällen las, kam eine Kundin zu mir, die ich am Tag zuvor schon geströmt hatte und auch wusste, dass sie unter Hörstürzen leidet, und war völlig aufgelöst und panisch, weil sie wieder einen Hörsturz hatte und auf einem Ohr nichts mehr hörte. Ich bin normalerweise nicht die, die in Notfallsituationen passend reagiert, aber mir blieb garnichts anderes übrig als Ruhe zu bewahren. Nachdem ich Finger/Zehenstrom bei ihr gemacht und mich auf meinen Atem konzentriert habe, war sie erstaunlich schnell wieder an Bord…… ich bin einfach dankbar, dass ich Jin Shin Jyutsu kenne und anwenden kann!
      Danke für deine Arbeit, ich freue mich immer über deine Newsletter….
      Herzlich, Ute

    • Bernadette Oschwald

      Liebe Anke,
      einmal habe ich im Garten lange Unkraut in einer gebückten Haltung gejätet.
      Danach kriegte ich den Rücken fast nicht mehr aufrecht.Dann strömte ich die
      letzten 4 Schritte des Hauptzentralstroms und es ging ganz leicht,mich wieder aufzurichten.
      Liebe Grüsse von Bernadette

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*